Die Islands: Whisky von Skye, Orkney, Mull, Jura, Arran und Co.

Kurz gesagt: „Islands“ ist keine offizielle Whiskyregion, sondern ein Sammelbegriff für die Brennereien auf den schottischen Inseln außer Islay. Rechtlich zählen sie zu den Highlands. Stilistisch reicht die Spanne von pfeffrig-rauchig (Talisker) über honigsüß-torfig (Highland Park) bis ungetorft und fruchtig (Arran).

Was mit „Islands“ gemeint ist

Wenn Whiskyfans von den „Islands“ sprechen, meinen sie die Brennereien auf den schottischen Inseln – mit Ausnahme von Islay, das als eigene Region geführt wird. Offiziell gibt es die Islands als Whiskyregion nicht: Die Brennereien gehören formal zu den Highlands. Händler und Fachliteratur behandeln sie trotzdem gern als eigene Gruppe, weil Lage, Klima und Geschichte sie verbinden. Einen Überblick über alle Gebiete findest du unter Schottlands Whiskyregionen im Überblick.

Vor Schottlands Küste liegen nach Angaben von The Whisky Exchange mehr als 900 Inseln, von denen rund 70 bewohnt sind. Auf etwa acht davon wird heute Whisky gebrannt. Die Inseln boten früher, was Brenner brauchten: Gerste, weiches Wasser, Torf zum Trocknen des Malzes – und eine Abgeschiedenheit, die Steuereintreibern die Arbeit erschwerte. Dass Mönche das Brennen auf die Hebriden gebracht haben sollen, gehört eher in den Bereich der Überlieferung als der belegten Geschichte.

Einen einheitlichen „Inselstil“ gibt es nicht. Wer den Begriff hört, denkt an Salz, Seeluft und etwas Rauch – das trifft auf manche Brennerei zu, auf andere überhaupt nicht. Gerade diese Vielfalt macht die Inseln spannend.

Die Brennereien im Überblick

Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Inselbrennereien mit Gründungsjahr und Stilrichtung. Die Jahreszahlen folgen den Angaben der Brennereien bzw. der Fachpresse.

InselBrennereiGegründetStil in Kürze
SkyeTalisker1830maritim, pfeffrig, rauchig
SkyeTorabhaig2017 (erster Brand 2016)kräftig getorft
RaasayIsle of Raasay2017getorfte und ungetorfte Anteile
OrkneyHighland Park1798honigsüß, heidekrautig, dezenter Rauch
OrkneyScapa1885fruchtig, ohne Torf
MullTobermory (mit Ledaig)1798ungetorft bzw. stark getorft
JuraIsle of Jura1810nussig, ölig, leicht rauchig
ArranArran (Lochranza)1995ungetorft, fruchtig
ArranLagg2019stark getorft
HarrisIsle of Harris2015mineralisch, getorft
LewisAbhainn Dearg2008kleine Farmbrennerei

Skye und Raasay: Pfeffer und Seeluft

Skye ist die Heimat von Talisker, gegründet 1830 und heute im Besitz von Diageo. Talisker gehört seit 1988 zu den „Classic Malts“ und ist für einen maritimen, pfeffrigen Stil mit gezähmtem Torfrauch bekannt. Technisch interessant: Die Brennerei kondensiert in hölzernen Worm Tubs statt in modernen Rohrbündelkondensatoren. Der Klassiker Talisker 10 wird mit 45,8 % vol abgefüllt.

Seit einigen Jahren hat Talisker Gesellschaft. Auf Torabhaig im Süden der Insel lief im November 2016 der erste Brand, die erste dauerhafte Abfüllung („Allt Gleann“) kam 2021. Der Stil ist deutlich torfig. Auf der kleinen Nachbarinsel Raasay arbeitet seit 2017 die Isle of Raasay Distillery, die getorfte und ungetorfte Brände kombiniert und unter anderem mit Bordeaux-Weinfässern experimentiert. Die ersten Abfüllungen erschienen 2020.

Orkney: Highland Park und Scapa

Ganz im Norden, auf den Orkney-Inseln, liegen zwei Brennereien nur wenige Kilometer auseinander. Highland Park (gegründet 1798, Edrington) mälzt einen Teil seiner Gerste noch selbst und trocknet sie mit Torf von Orkney. Der Rauch wird oft als blumig und honigsüß beschrieben, weniger als medizinisch. Dazu kommt ein hoher Anteil an Sherryfässern. Das Ergebnis ist ein Stil, den viele als Brücke zwischen den sanften Speysidern und den rauchigen Islay-Malts beschreiben – der Highland Park 12 ist dafür das Paradebeispiel.

Scapa (gegründet 1885, heute Chivas Brothers) lieferte lange vor allem an Blender. Die Brennerei arbeitet ohne Torf und ist für einen fruchtigen, leicht parfümierten Stil bekannt. 2015 eröffnete ein Besucherzentrum, 2024 wurde die Marke mit Fokus auf amerikanische Eiche neu aufgestellt. Ein Kuriosum: Weil Highland Park seinen Namen schützt, tauchen unabhängige Abfüllungen von dort oft unter Umschreibungen wie „Orkney“ auf.

Mull und Jura: zwei Stile aus einer Hand

Tobermory auf Mull wurde 1798 gegründet und lief in seiner Geschichte immer wieder mit Unterbrechungen. Die Brennerei produziert zwei Linien: ungetorften Tobermory und stark getorften Ledaig. Für Ledaig wurde laut Whisky Advocate Malz mit rund 39 ppm verwendet – also in einer Liga mit bekannten Islay-Malts. Der Ledaig 10 zeigt diesen rauchig-erdigen Stil, während der Tobermory 12 die fruchtig-leichte Seite vertritt. Wie sich getorftes und ungetorftes Malz unterscheiden, erklärt Peated vs. Unpeated.

Auf Jura steht in Craighouse die Isle of Jura Distillery. Ihre Ursprünge gehen auf 1810 zurück; nach einer Schließung in den 1920er-Jahren wurde sie 1963 wieder aufgebaut. Heute gehört sie zu Whyte & Mackay. Ab den späten 1990er-Jahren wurden laut Whisky Advocate rund 27.000 Fässer in einem zehnjährigen Programm in neue Fässer umgefüllt, um die Qualität zu heben. Jura ist für einen nussigen, öligen Stil mit leichtem Rauch bekannt; der Torfanteil hat sich über die Jahre verändert. Der Jura 12 ist ein guter Einstieg.

Arran und die Äußeren Hebriden: die jungen Wilden

Arran im Firth of Clyde ist ein Beispiel für die neue Gründerwelle. Die Brennerei in Lochranza im Norden der Insel füllte 1995 ihre ersten Fässer. Gründer war Harold „Hal“ Currie, zuvor Manager bei Seagram und Pernod Ricard. Arran arbeitet ungetorft – der Stil ist fruchtig, frisch und oft zitrusbetont, etwa beim Arran Barrel Reserve. Für Rauchliebhaber eröffneten dieselben Eigentümer 2019 im Süden der Insel die Schwesterbrennerei Lagg, die stark getorften Whisky herstellt. Schon im 19. Jahrhundert gab es in Lagg eine legale Brennerei, die laut Whisky Advocate bis 1837 lief.

Noch weiter draußen liegen die Äußeren Hebriden. Auf Lewis gründete Mark Tayburn 2008 die kleine Farmbrennerei Abhainn Dearg – nach Angaben von Whisky Advocate die erste legale Brennerei der Äußeren Hebriden seit fast 200 Jahren. Auf Harris folgte 2015 die Isle of Harris Distillery, deren Single Malt „The Hearach“ 2023 erstmals erschien. Weitere Projekte, etwa auf Barra oder Shetland, zeigen, dass die Inselszene noch wächst.

Woran du Island Whisky erkennst – und typische Missverständnisse

Weil die Gruppe so unterschiedlich ist, hilft eine Faustregel mehr als ein festes Geschmacksbild:

  • Rauch ist häufig, aber kein Muss: Arran und Scapa arbeiten ohne Torf, Talisker und Ledaig dagegen deutlich rauchig.
  • „Salzig“ ist eher Stilbeschreibung als Messwert. Verkoster beschreiben damit einen Eindruck, keinen messbaren Salzgehalt.
  • Inselbrennereien sind nicht automatisch klein: Talisker produziert Millionen Liter im Jahr, Abhainn Dearg nur einen Bruchteil davon.
  • Auf dem Etikett steht meist „Highland Single Malt“ oder nur der Brennereiname, nicht „Island“.

Wer Rauch außerhalb von Islay sucht, findet auf den Inseln viele Kandidaten – ein ausführlicher Überblick steht im Artikel Rauchige Whiskys außerhalb von Islay.

Tipps zum Probieren

Ein kleiner Inselvergleich lässt sich gut zu Hause organisieren: Stell einen ungetorften Arran, einen Highland Park und einen Talisker nebeneinander und probier vom mildesten zum rauchigsten. So merkst du schnell, wie verschieden die „Islands“ tatsächlich sind. Kleine Mengen von etwa 2 cl pro Sorte reichen für einen Eindruck völlig aus.

Whisky ist eine Spirituose mit rund 40 % vol und mehr. Genieße ihn bewusst und in Maßen – und gib ihn nur an Erwachsene ab 18 Jahren weiter.

Passend dazu bei whiskyverbot.de

Häufige Fragen

Sind die Islands eine offizielle Whiskyregion?

Nein. Die Inselbrennereien zählen formal zu den Highlands. „Islands“ ist ein verbreiteter Sammelbegriff von Handel und Fachpresse.

Gehört Islay zu den Islands?

Nein, Islay wird traditionell als eigene Region behandelt, weil die Insel viele Brennereien und einen eigenen, stark torfigen Ruf hat.

Ist jeder Island Whisky rauchig?

Nein. Arran und Scapa arbeiten ohne Torf. Talisker, Ledaig, Lagg oder Torabhaig sind dagegen deutlich rauchig.

Welche Inselbrennerei ist die älteste?

Highland Park auf Orkney und Tobermory auf Mull nennen beide 1798 als Gründungsjahr.

Quellen

Whisky ist eine Spirituose und ein Genussmittel. Diese Seite richtet sich ausschließlich an Erwachsene ab 18 Jahren. Bitte genieße verantwortungsvoll.

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