Kurz gesagt: Die Highlands sind die flächenmäßig größte Whiskyregion Schottlands und rechtlich alles nördlich der Highland-Lowland-Linie. Rund 43 Malt-Brennereien liegen auf dem Festland, mit den Inseln sind es über 60. Einen einheitlichen Stil gibt es nicht: Von blumig und heidig über fruchtig und nussig bis salzig-rauchig ist alles vertreten.
Wo die Highlands beginnen
Die Highland-Region ist rechtlich einfach definiert: Laut Regulation 10 der Scotch Whisky Regulations 2009 umfasst sie den Teil Schottlands nördlich der Grenzlinie zwischen Highland und Lowland. Diese Linie ist im Gesetz detailliert beschrieben. Sie beginnt am Firth of Clyde bei Greenock, verläuft über Cardross nach Osten zum Earl’s Seat in den Campsie Fells und zum Wallace Monument, folgt der B998 und A91 bis Milnathort, dann der M90 bis Bridge of Earn und schließlich dem River Earn und dem Tay bis zur Nordsee.
Laut Scotch Whisky Association gehören auch die Inseln zur Highland-Region – mit Ausnahme von Islay, das eine eigene Lokalität ist. Damit ist die Region nicht nur die flächenmäßig größte Schottlands, wie Whisky Advocate betont, sondern auch die geografisch vielfältigste: Sie reicht von Perthshire im Süden bis an die Nordküste und von der Ostküste bis zu den Hebriden. Wie sie sich zu den anderen Regionen verhält, erklärt Schottlands Whiskyregionen im Überblick.
Eine Grenze mit Geschichte
Die Trennung zwischen Hoch- und Tiefland ist älter als die moderne Whiskyindustrie. Die Scotch Malt Whisky Society verweist auf den Wash Act von 1784: Weil die Brenner im Hochland mit kleineren Brennblasen und unter anderen Bedingungen arbeiteten, galten für sie eigene Steuerregeln. Die Hochland-Zone umfasste damals grob den Norden Schottlands oberhalb des Central Belt, wurde mehrfach angepasst – zeitweise gab es sogar eine Zwischenzone – und 1816 aufgehoben.
Ein Kuriosum aus dieser Zeit: Die Brennereien auf dem Gut Ferintosh bei Inverness durften laut SMWS von 1689 bis 1784 steuerfrei brennen. Als das Privileg endete, wurde ihr berühmter Whisky knapp – was Robert Burns in seinem Gedicht „Scotch Drink“ beklagte.
Die heutige Linie stammt aus den Regulations von 2009. Sie erzeugt einige Widersprüche, auf die die SMWS hinweist: Speyside liegt geografisch innerhalb der Highlands, weshalb etwa Macallan auch als Highland Single Malt laufen könnte. Auch Campbeltown liegt im Highland-Gebiet.
Brennereien: Vielfalt auf großer Fläche
Die Wikipedia-Liste aktiver Malt-Brennereien (Stand 2026) zählt 43 Brennereien in den Festland-Highlands und 19 auf den Inseln außer Islay; zusammengerechnet kommen die Highlands nach SWA-Definition auf 62. Darunter sind einige der ältesten Brennereien des Landes und viele junge Betriebe.
| Brennerei | Gründung | Eigentümer (laut Wikipedia-Liste) |
|---|---|---|
| Glenturret | 1763 | Lalique Group |
| Balblair | 1790 | Inver House Distillers |
| Oban | 1794 | Diageo |
| Blair Athol | 1798 | Diageo |
| Dalmore | 1839 | Whyte & Mackay |
| Glenmorangie | 1843 | LVMH |
| Ben Nevis | 1825 | Nikka Whisky Distilling |
| Tomatin | 1897 | Takara Shuzo |
| Clynelish | 1967 | Diageo |
| Nc’nean | 2017 | Drimnin Distillery Company |
Die Eigentümer reichen von internationalen Konzernen bis zu japanischen Firmen wie Nikka bei Ben Nevis oder Takara Shuzo bei Tomatin. Kleine Häuser wie Edradour gehören zum unabhängigen Abfüller Signatory. Und mit Brora hat Diageo eine legendäre Brennerei wiederbelebt; laut Diageo war das Teil desselben Investitionsprogramms, das 2024 mit der Wiedereröffnung von Port Ellen abgeschlossen wurde.
Der Highland-Stil – oder besser: die Stile
Whisky Advocate nennt für die Highlands Begriffe wie süß, blumig, heidekrautartig, fruchtig, nussig und malzig – und betont, dass die Vorstellungen davon hier am vielfältigsten sind. Die Scotch Whisky Association formuliert es so: Die Region bietet eine große Bandbreite an Aromen, von leichten Whiskys bis zu salzigen Küstenmalts. Grob lassen sich vier Richtungen unterscheiden:
- Leicht und blumig: elegante, oft in Bourbonfässern gereifte Malts mit Heide, Honig und Zitrus.
- Reich und sherrygeprägt: kräftige Whiskys aus Sherryfässern mit Trockenfrüchten, Nüssen und Gewürzen.
- Küstennah: Brennereien am Meer wie Oban oder Clynelish zeigen oft salzige oder maritime Noten.
- Getorft: Einige Highlander arbeiten mit Torf, etwa Ardmore, das Whisky Advocate unter den Highland-Beispielen nennt.
Die große Stilvielfalt macht die Highlands zum idealen Gebiet für Entdecker – und zugleich zum Beweis, dass eine Region allein wenig über den Geschmack verrät. Ausführliche Porträts findest du etwa zu Glenmorangie.
Die Inseln: Highlands im Meer
Rechtlich gehören Orkney, Skye, Mull, Jura, Arran und die übrigen Inseln (außer Islay) zu den Highlands. In der Praxis werden sie aber oft als eigene Gruppe geführt, weil viele ihrer Whiskys einen maritimen, häufig rauchig-salzigen Charakter teilen. Whisky Advocate nennt Highland Park auf Orkney und Talisker auf Skye als typische Beispiele.
Die SMWS ergänzt, dass Brennereien auch andere Ortsnamen verwenden dürfen, wenn der Whisky vollständig dort gebrannt wurde – Scapa kann sich etwa als „Orkney“ bezeichnen. Mehr zu den Inselbrennereien liest du in den Porträts Die Islands, Highland Park und Talisker.
Junge Highland-Brennereien
Neben den Traditionshäusern ist in den Highlands in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe neuer Brennereien entstanden. Die Wikipedia-Liste führt allein auf dem Festland 13 Betriebe mit Gründungsjahr ab 2013 – darunter Arbikie und Strathearn (beide 2013), Ardnamurchan (2014), GlenWyvis (2015), Dornoch und Nc’nean (beide 2017), Ardross (2019), 8 Doors (2022), North Point (2023), Balmaud (2024) und Stannergill (2025).
Einige davon gehören unabhängigen Abfüllern: Strathearn ist laut Liste im Besitz von Douglas Laing, Ardnamurchan wurde von Adelphi gegründet, um eine eigene Marke aufzubauen; Whisky Advocate nannte dafür eine geplante Kapazität von bis zu 400.000 Litern Alkohol pro Jahr. Viele dieser jungen Brennereien bringen gerade erst ihre ersten reifen Whiskys auf den Markt. Wer früh einsteigen will, kann ihre Entwicklung von Abfüllung zu Abfüllung verfolgen. Mehr zum Thema liest du unter Neue Brennereien.
Nachhaltigkeit im Hochland
Zwei Highland-Brennereien tauchen in den Nachhaltigkeits-Fallstudien der Scotch Whisky Association besonders prominent auf. Glenmorangie siedelt gemeinsam mit der Heriot-Watt University und der Marine Conservation Society im Dornoch Firth ein Austernriff wieder an: 85.000 Austern waren bereits ausgesetzt, bis 2030 sollen es 4 Millionen werden. Die Austern filtern das Wasser zusätzlich zur Abwasseranlage der Brennerei.
Bei Ardmore wiederum stellt Eigentümer Suntory Global Spirits im Rahmen seines Peatland Water Sanctuary Moorflächen wieder her – 14 Hektar waren dort laut Fallstudie bereits fertig. Ziel des Programms ist, bis 2030 so viel Torf auszugleichen, wie verbraucht wird.
Tipps für deinen Highland-Einstieg
- Probiere je einen leichten, einen sherrygeprägten und einen küstennahen Highlander – so erlebst du die Bandbreite.
- Achte auf die Fassangaben: Bourbon- und Sherryfass prägen den Stil oft stärker als die Lage.
- Lass dich nicht vom Begriff „Highland“ täuschen – er sagt wenig über Leichtigkeit oder Rauch.
- Vergleiche einen Insel-Malt mit einem Festland-Highlander und achte auf maritime Noten.
- Nutze Probiersets, wenn du mehrere Brennereien kennenlernen willst.
Gute Startpunkte sind der Glenmorangie The Original, der küstennahe Oban 14, der Clynelish 14 oder der GlenDronach 15. Die ganze Auswahl zeigt die Kategorie Highland-Whisky. Bei aller Vielfalt gilt: Whisky ist eine Spirituose – genieße ihn maßvoll; Abgabe nur an Erwachsene ab 18.
Passend dazu bei whiskyverbot.de
- Highland-Whisky – Alle Highland-Malts
- Glenmorangie The Original – Leicht und fruchtig
- GlenDronach 15 – Klassiker aus den Highlands
- Island-Whisky – Die Inseln der Highlands
Häufige Fragen
Wie viele Brennereien gibt es in den Highlands?
Die Wikipedia-Liste (Stand 2026) zählt 43 auf dem Festland und 19 auf den Inseln außer Islay – nach SWA-Definition zusammen 62.
Gehören die Inseln zu den Highlands?
Ja. Rechtlich zählen alle Inseln außer Islay zur Highland-Region, auch wenn sie oft als eigene Gruppe „Islands“ geführt werden.
Wie schmeckt Highland-Whisky?
Es gibt keinen einheitlichen Stil: Die Bandbreite reicht von blumig und leicht über fruchtig und sherrygeprägt bis zu salzig-maritim und rauchig.
Wo verläuft die Grenze zu den Lowlands?
Grob zwischen Greenock am Firth of Clyde und Dundee am Tay; die genaue Linie beschreibt Regulation 10 der Scotch Whisky Regulations 2009.
Quellen
- Scotch Whisky Regulations 2009, Regulation 10
- Scotch Whisky Association: Scotch Whisky Regions
- Whisky Advocate: Taste Your Way Through the Scotch Whisky Regions
- SMWS Unfiltered: Beyond boundaries – whisky regions
- Wikipedia: List of whisky distilleries in Scotland
- Scotch Whisky Association: Sustainable Scotch case studies
- Whisky Advocate: Why You Should Be Buying Whisky From Independent Bottlers
- Diageo: Port Ellen distillery is reborn (2024)
Whisky ist eine Spirituose und ein Genussmittel. Diese Seite richtet sich ausschließlich an Erwachsene ab 18 Jahren. Bitte genieße verantwortungsvoll.
Schottlands Whiskyregionen im Überblick
Speyside: die Region mit den meisten Brennereien
Die Islands: Whisky von Skye, Orkney, Mull, Jura, Arran und Co.
Glenmorangie The Original 12: Vanille, Zitrus und Pfirsich
Oban 14: Der Classic Malt von der Westküste
Clynelish 14: Der wachsige Malt aus Brora
GlenDronach 15 Revival: Sherry-Malt aus den Highlands
Lowlands: sanfte Malts aus dem Süden
Campbeltown: einst Whisky-Hauptstadt der Welt
Islay: Torf, Meer und Rauch