Islay: Torf, Meer und Rauch

Kurz gesagt: Islay ist eine Insel vor der Westküste Schottlands und rechtlich eine eigene geschützte Whisky-Lokalität. Mit Laggan Bay zählt sie seit 2026 elf Single-Malt-Brennereien. Bekannt ist Islay für stark getorfte, rauchig-maritime Whiskys – doch einige Brennereien machen auch ungetorften Malt.

Die Insel und ihr Name

Islay liegt vor der Westküste Schottlands in Argyll. Ausgesprochen wird der Name laut Scotch Whisky Association etwa „Ei-la“ (englisch „eye-luh“). Die SWA beschreibt Islay als Insel, auf der ein großer Teil der Bevölkerung in der Whiskyproduktion arbeitet, und als Heimat feuriger, stark torfiger Whiskys.

Rechtlich hat Islay eine Sonderstellung. Die Scotch Whisky Regulations 2009 führen es in Regulation 10 als geschützte Lokalität – definiert schlicht als „die Insel Islay in Argyll“. Nur Scotch, der auf der Insel destilliert wurde, darf „Islay“ auf dem Etikett tragen. Alle anderen schottischen Inseln gehören rechtlich zur Highland-Region; wie das System insgesamt funktioniert, erklärt Schottlands Whiskyregionen im Überblick.

Die Brennereien der Insel

Die Wikipedia-Liste aktiver Malt-Brennereien (Stand 2026) führt elf Brennereien auf Islay. Whisky Advocate bestätigte im April 2026, dass die Insel mit Laggan Bay elf Single-Malt-Brennereien und zusätzlich eine Rumbrennerei hat.

BrennereiGründungEigentümer (laut Wikipedia-Liste)
Bowmore1779Suntory Global Spirits
Ardbeg1815LVMH
Laphroaig1815Suntory Global Spirits
Lagavulin1816Diageo
Port Ellen1825Diageo
Caol Ila1846Diageo
Bruichladdich1881Rémy Cointreau
Bunnahabhain1881Distell
Kilchoman2005Kilchoman Distillery Company
Ardnahoe2019Hunter Laing & Company
Laggan Bay2026Ian Macleod Distillers

Ausführliche Porträts gibt es zu Laphroaig, Lagavulin, Ardbeg und Bruichladdich; eine Übersicht aller Betriebe findest du unter Islay-Brennereien im Überblick.

Comebacks und Neugründungen

Islay erlebt gerade eine bemerkenswerte Phase. Im März 2024 nahm Diageo die Brennerei Port Ellen wieder in Betrieb, die über 40 Jahre stillgestanden hatte. Laut Diageo flossen 185 Millionen Pfund in ein Investitionsprogramm, zu dem Port Ellen als letzter Baustein gehörte. Die neue Anlage arbeitet mit zwei Paar Brennblasen – den „Phoenix Stills“ als originalgetreue Nachbauten und Versuchsblasen – sowie einem „Ten Part Spirit Safe“. Sie ist nach Diageo-Angaben von Beginn an klimaneutral ausgelegt, mit Biobrennstoff-Kessel und Wärme- und Wasserrückgewinnung.

Am 2. April 2026 füllte Laggan Bay sein erstes Fass. Die Brennerei von Ian Macleod Distillers ist laut Whisky Advocate auf eine Million Liter reinen Alkohol pro Jahr ausgelegt und soll einen stark getorften, von der Küste geprägten Whisky liefern. Mit Portintruan von Elixir Distillers stand ein weiteres Projekt kurz vor dem Abschluss. Zuvor waren bereits Kilchoman (2005) und Ardnahoe (2019) hinzugekommen.

Torf: woher der Rauch kommt

Der Rauch im Islay-Whisky stammt aus dem Darren des Malzes über Torffeuer. Wie viele Phenole im Malz stecken, wird in ppm angegeben – allerdings im Malz, nicht im fertigen Whisky. Typische Werte laut Whisky Advocate und Master of Malt:

Brennereippm im Malz (laut Quelle)
Lagavulin, Caol Ilarund 35
Laphroaigrund 40–45
Ardbeg50–55
Octomore (Bruichladdich)über 100; Octomore 8.3: 309,1

Lagavulin und Caol Ila beziehen ihr Malz laut Master of Malt beide von der Mälzerei Port Ellen, mit ähnlichen Werten. Trotzdem schmeckt Lagavulin rauchiger – wegen anderer Schnittpunkte und Fassauswahl. Das zeigt, dass der Wert nur ein Hinweis ist. Master of Malt erklärt auch, warum: Ein Teil der Phenole bleibt in den Treberresten, und weil sie einen hohen Siedepunkt haben, gehen viele erst spät im Brennlauf über und landen im Nachlauf statt im Herzstück. Im Fass verblasst der Rauch zudem mit den Jahren – ein sehr alter Islay kann deshalb überraschend sanft wirken. Ausführlich erklärt das der Beitrag ppm und Phenolwerte.

Der Islay-Stil im Glas

Whisky Advocate fasst den Islay-Charakter mit Begriffen wie torfig, rauchig, salzig, jodig, seetangartig, medizinisch und ölig zusammen. In Verkostungsnotizen tauchen oft Lagerfeuer, Asche, Teer, Pflaster oder Gummi auf – dazu Meeresbrise und Zitrus. Hinter dem Rauch verbergen sich häufig Frucht, Vanille aus Bourbonfässern oder dunkle Noten aus Sherryfässern.

Doch Islay ist nicht gleich Islay. Laut Whisky Advocate produzieren zwar alle Brennereien der Insel getorften Whisky, Bunnahabhain und Bruichladdich stellen aber zusätzlich ungetorften Malt her. Bruichladdich etwa vertreibt unter dem eigenen Namen ungetorften Whisky, unter Port Charlotte stark getorften und unter Octomore extrem getorften. Wer Rauch nicht mag, muss Islay also nicht meiden.

Umgekehrt ist Islay längst nicht mehr der einzige Ort für Rauch: Auch in Speyside, Campbeltown oder auf anderen Inseln entstehen getorfte Whiskys. Viele Brennereien auf dem Festland und auf anderen Inseln brennen zumindest zeitweise getorften Whisky, und auch außerhalb Schottlands gehört Rauch längst zum Repertoire. Wer Islay liebt, findet also auch anderswo verwandte Stile – oft mit einer ganz eigenen Note, weil Torf, Brennblasen und Fässer sich unterscheiden. Islay bleibt trotzdem der Ort, an dem Rauch und Meer am dichtesten beieinanderliegen – nirgendwo sonst findest du so viele getorfte Brennereien auf so kleinem Raum.

Eine kurze Geschichte in Jahreszahlen

Die Gründungsjahre in der Wikipedia-Liste erzählen Islays Geschichte im Zeitraffer. Bowmore von 1779 ist die älteste noch aktive Brennerei der Insel. Es folgte eine Gründungswelle zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Ardbeg und Laphroaig (1815), Lagavulin (1816) und Port Ellen (1825). Caol Ila kam 1846 hinzu, Bruichladdich und Bunnahabhain 1881.

Danach geschah über ein Jahrhundert lang wenig – bis 2005 Kilchoman als erste neue Brennerei seit langer Zeit entstand. Ardnahoe folgte 2019, Laggan Bay 2026. Dazwischen liegt die Geschichte von Port Ellen: Die Brennerei war über 40 Jahre stillgelegt, bevor Diageo sie 2024 wiedereröffnete. Ihr Name blieb in all den Jahren präsent, auch weil die Mälzerei Port Ellen weiterhin getorftes Malz für Brennereien wie Lagavulin und Caol Ila liefert, wie Master of Malt beschreibt.

Die Eigentümerliste zeigt, wie international die Insel heute ist: Große Getränkekonzerne wie Suntory Global Spirits, LVMH, Rémy Cointreau, Diageo und Distell besitzen Brennereien, daneben stehen unabhängige Firmen wie Kilchoman, Hunter Laing und Ian Macleod. Für Whiskyfreunde bedeutet diese Vielfalt eine enorme Bandbreite an Stilen auf engstem Raum – vom ungetorften Bunnahabhain bis zum rekordverdächtig getorften Octomore. Mehr über die Entwicklung erzählt der Beitrag Die Geschichte der Islay-Brennereien.

Tipps für deinen Islay-Einstieg

  • Beginne mit einem mittelstark getorften Whisky, bevor du zu den ganz Rauchigen greifst.
  • Vergleiche Lagavulin und Caol Ila nebeneinander – ähnliches Malz, unterschiedlicher Charakter.
  • Probiere einen ungetorften Islay, um die Brennerei ohne Rauchschleier zu erleben.
  • Setze Islay-Whiskys bei Tastings ans Ende, weil der Rauch den Gaumen lange prägt.
  • Gib ein paar Tropfen Wasser dazu – oft kommt dann die Frucht unter dem Rauch hervor.
  • Vergleiche junge und ältere Abfüllungen derselben Brennerei, um zu erleben, wie der Rauch im Fass mit der Zeit zurücktritt.

Klassiker zum Einstieg sind etwa Laphroaig 10, Ardbeg 10 oder Lagavulin 16; Bruichladdichs getorfte Linie zeigt der Port Charlotte 10. Die ganze Auswahl findest du in der Kategorie Islay-Whisky. Und so intensiv Islay-Whisky schmeckt: Er ist eine Spirituose, die maßvoll genossen werden will – Abgabe nur an Erwachsene ab 18.

Passend dazu bei whiskyverbot.de

Häufige Fragen

Wie viele Brennereien gibt es auf Islay?

Seit Laggan Bay im April 2026 sein erstes Fass füllte, sind es elf Single-Malt-Brennereien.

Ist jeder Islay-Whisky rauchig?

Nein. Alle Brennereien machen getorften Whisky, Bunnahabhain und Bruichladdich stellen aber auch ungetorften Malt her.

Wie spricht man Islay aus?

Etwa „Ei-la“ – die Scotch Whisky Association umschreibt es auf Englisch mit „eye-luh“.

Ist Islay eine eigene Whiskyregion?

Ja. Die Scotch Whisky Regulations 2009 schützen Islay als eigene Lokalität; die übrigen Inseln gehören rechtlich zur Highland-Region.

Quellen

Whisky ist eine Spirituose und ein Genussmittel. Diese Seite richtet sich ausschließlich an Erwachsene ab 18 Jahren. Bitte genieße verantwortungsvoll.

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