Der Excise Act von 1823: das Gesetz, das Scotch legal machte

Kurz gesagt: Der Excise Act von 1823 erlaubte das Brennen gegen eine Lizenz von 10 Pfund und deutlich niedrigere Abgaben. Er machte legales Brennen wirtschaftlich attraktiver als Schmuggel. Die Zahl lizenzierter Brennereien stieg laut Just Whisky von 111 (1823) auf 263 (1825); Glenlivet, Macallan und andere bekannte Namen erhielten damals ihre Lizenz.

Warum es ein neues Gesetz brauchte

Anfang der 1820er-Jahre stand der schottische Staat vor einem Dilemma. Laut Scotch Whisky Association wurden pro Jahr bis zu 14.000 illegale Brennblasen beschlagnahmt, und trotzdem war mehr als die Hälfte des in Schottland getrunkenen Whiskys unversteuert. Just Whisky nennt für 1822 allein 6.278 Strafverfahren wegen illegalen Brennens. Härtere Strafen – laut Wooden Cork verschärfte der Illicit Distillation Act von 1822 die Sanktionen für Hersteller, Lieferanten und Konsumenten – brachten offensichtlich keine Lösung.

Wie es zu dieser Lage kam, erklärt der Artikel Schmuggel und Schwarzbrennerei in Schottland. Kurz gesagt: Hohe Abgaben und komplizierte Vorschriften machten legales Brennen unrentabel, während das Brennen für viele Hochlandbauern ein unverzichtbares Einkommen war.

Die Lösung, die 1823 gefunden wurde, war im Grunde einfach: Statt die Strafen weiter zu erhöhen, senkte der Staat die Kosten der Legalität. Laut Whisky Monkeys wurde das Gesetz am 18. Juli 1823 verabschiedet; weil es ab 1824 wirkte, ist es auch als „Excise Act von 1824“ bekannt.

Was der Excise Act regelte

Die Kernpunkte des Gesetzes, wie sie die herangezogenen Quellen beschreiben:

RegelungInhaltQuelle
Lizenz10 Pfund pro Jahr für das legale BrennenScotch Whisky Association, Just Whisky
Abgabefeste Abgabe pro Gallone Proof Spirit; Just Whisky nennt 2 Schilling 5 Pence und eine Senkung um mehr als 50 Prozent, Great Drams 2 Schilling 3 PenceJust Whisky, Great Drams
MindestgrößeBrennblasen mit mindestens 40 GallonenJust Whisky
LagerLagerung unter Zollverschluss, Abgabe erst später fälligJust Whisky, Wooden Cork, Strathblane Heritage
Kontrolleein Steuerbeamter für jede Brennerei; wenn kein Haus in der Nähe war, musste der Brenner eines im Umkreis von einer Meile stellenGreat Drams, Strathblane Heritage
HandelAusfuhr nach England und in andere Länder erlaubtJust Whisky

Bei der Höhe der Abgabe weichen die Quellen leicht voneinander ab. Einig sind sie sich darin, dass die Belastung deutlich sank und dass die Kombination aus moderater Lizenz und niedrigerer Abgabe den Unterschied machte.

Besonders folgenreich war die Lagerung unter Zollverschluss. Wenn die Abgabe erst beim Verkauf fällig wird, kann ein Brenner seinen Whisky ohne Vorfinanzierung der Steuer im Fass liegen lassen. Wooden Cork sieht darin einen Wegbereiter für hochwertige, gereifte Whiskys. Was im Fass passiert, erklärt der Artikel Fassreifung.

Wer hinter dem Gesetz stand

Die Whiskyliteratur nennt vor allem einen Namen: Alexander Gordon, den 4. Herzog von Gordon. Laut Just Whisky besaß er große Ländereien im Nordosten, dem Kernland der Schwarzbrennerei, und schlug vor, dass die Grundbesitzer das Gesetz durchsetzen und verurteilte illegale Brenner von ihren Höfen weisen würden. Die englischsprachige Wikipedia schränkt allerdings ein, dass es für seine Beteiligung keinen historischen Nachweis gibt.

Belegt ist ein anderer, weniger bekannter Mitautor. Laut Scotchwhisky.com half der irische Steuerbeamte Aeneas Coffey beim Entwurf des Excise Act von 1823, bevor er im März 1824 aus dem Dienst ausschied. Wenige Jahre später ließ derselbe Coffey eine Säulenbrennanlage patentieren, die die Whiskywelt erneut umkrempeln sollte – mehr dazu im Artikel Aeneas Coffey und die Column Still.

Coffey brachte dafür praktische Erfahrung mit. Laut Scotchwhisky.com hatte er 1821 gemeinsam mit seinem Schwager Daniel William Logie in der Brennerei von John Thompson in Carrickfergus Versuche mit Vorrichtungen gegen Steuerbetrug begleitet: Die Anlage wurde so umgebaut, dass jede Stufe des Brennens aufgezeichnet wurde – ein geschlossenes, versiegeltes System mit miteinander verbundenen Ventilen. 1823 schlug er außerdem ein günstigeres Vorhängeschloss für die Steuerbehörde vor, das 1829 in einer abgewandelten Version eingeführt wurde, ohne dass er dafür genannt wurde. Der Excise Act war also nicht nur ein Steuergesetz, sondern auch ein Kontrollsystem, an dem Praktiker mitarbeiteten.

Auch der Besuch König Georgs IV. in Schottland 1822 wird oft in diesem Zusammenhang erwähnt. Wooden Cork schreibt, der König sei von den schottischen Brennern beeindruckt gewesen, und das Gesetz folgte im Jahr darauf. Ein direkter Zusammenhang ist damit nicht bewiesen, aber die zeitliche Nähe ist auffällig.

Die ersten Lizenzen

Die bekannteste Geschichte aus dieser Zeit ist die von George Smith. Laut Wikipedia betrieb er auf dem Hof Upper Drumin im Tal des Livet eine illegale Brennerei und wurde 1824 der Erste in Schottland, der unter dem neuen Gesetz eine Lizenz beantragte und erhielt. Whisky Monkeys berichtet, dass er die Lizenz in Elgin abholte und offen zwei Pistolen trug, weil ehemalige Kollegen ihn bedrohten. Daraus entstand The Glenlivet.

Ganz eindeutig ist der Titel „erste Lizenz“ allerdings nicht. Wooden Cork nennt Jane Macgregor von der inzwischen geschlossenen Littlemill-Brennerei als Empfängerin der ersten Lizenz nach dem Gesetz, während Just Whisky Glenlivet als erste lizenzierte Brennerei im Hochland bezeichnet. Beides kann zugleich stimmen – je nachdem, ob man ganz Schottland oder nur die Highlands betrachtet.

Laut Wooden Cork wurden 1824 rund 167 Brennereien registriert, von denen heute nur sechs bestehen: The Glenlivet, The Macallan, Fettercairn, Miltonduff, Cardhu und Balmenach. Just Whisky nennt außerdem Brennereien, die innerhalb von etwa zehn Jahren nach dem Gesetz eine Lizenz erhielten, darunter Ben Nevis, Edradour, GlenDronach, Glenfarclas, Glengoyne, Glenkinchie, Royal Lochnagar und Talisker. Manche davon waren vorher unlizenzierte Hofbrennereien.

Die Folgen in Zahlen

Der Erfolg war messbar. Die Quellen beschreiben ihn so:

  • Zwischen dem 10. Oktober 1823 und dem 9. August 1824 wurden laut Just Whisky 79 neue Brennereien in Betrieb genommen.
  • Die Zahl lizenzierter Brennereien stieg laut Just Whisky von 111 im Jahr 1823 auf 263 im Jahr 1825; Wooden Cork nennt 264 lizenzierte Brennereien für 1826.
  • Great Drams spricht von einer Verdopplung der lizenzierten Betriebe in den folgenden Jahren.
  • Der Schmuggel starb laut Scotch Whisky Association innerhalb von etwa zehn Jahren weitgehend aus.

Nicht alle Neugründungen hielten. Strathblane Heritage, das für 1823 von rund 200 legalen Brennereien ausgeht, stellt fest, dass ein großer Teil davon bis in die 1830er-Jahre wieder geschlossen hatte. Just Whisky beschreibt zudem eine Verschiebung: weg von sehr kleinen, lokalen Betrieben im Süden und in Zentralschottland, hin zu größeren Brennereien, während das Hochland mehr kleine Häuser behielt.

Die Zahlen zeigen auch, wie groß der Nachholbedarf war. Ein großer Teil der Brenner hatte offenbar nur auf eine Gelegenheit gewartet, legal zu arbeiten, sobald sich das wirtschaftlich rechnete. Der Staat verzichtete auf einen Teil der Abgabe pro Gallone, gewann dafür aber eine Branche, die sichtbar, registriert und damit überhaupt erst kontrollierbar wurde. Für die Brenner wiederum hieß Legalität: offene Märkte, Ausfuhr nach England, Planungssicherheit und keine Angst mehr vor zerschlagenen Kesseln und Gefängnis.

200 Jahre später: das Jubiläum

2024 feierten mehrere der damals lizenzierten Brennereien ihr 200-jähriges Bestehen. Laut Wooden Cork brachte The Glenlivet einen 55 Jahre alten Single Malt heraus, The Macallan startete die Kampagne „200 Years Young“, Miltonduff füllte mit einem 41-Jährigen seinen bis dahin ältesten Whisky ab, und Cardhu ehrte mit einer Sonderabfüllung die frühen Brennerinnen Helen und Elizabeth Cumming.

Solche Jubiläen sind Marketing, aber sie verweisen auf einen echten historischen Einschnitt. Viele Etiketten mit „Est. 1824“ oder „Since 1824“ erzählen im Kern dieselbe Geschichte: Ein Hof, der vorher heimlich brannte, entschied sich, legal zu werden.

Warum das Gesetz heute noch zählt

Der Excise Act von 1823 ist kein Detail für Historiker. Er schuf die Grundlage für die Struktur, die du heute kennst: lizenzierte Brennereien, staatlich kontrollierte Lager, Steuer bei der Freigabe und damit die Möglichkeit, Whisky jahrelang reifen zu lassen. Ohne ihn hätte es weder den späteren Blending-Boom noch die großen Marken gegeben.

Ein Tipp für dein nächstes Tasting: Stell zwei Whiskys aus Brennereien mit dem Gründungsjahr 1824 nebeneinander, etwa aus der Speyside, und sprich über ihre Geschichte. Whisky ist eine Spirituose für Erwachsene ab 18 Jahren – kleine Mengen reichen völlig, um Geschichte zu schmecken. Genieße maßvoll und lass dir Zeit, um Unterschiede in Stil und Fassreifung bewusst wahrzunehmen.

Passend dazu bei whiskyverbot.de

Häufige Fragen

Was regelte der Excise Act von 1823?

Er erlaubte das Brennen gegen eine Lizenz von 10 Pfund und senkte die Abgaben pro Gallone deutlich. Dazu kamen eine Mindestgröße für Brennblasen und die Lagerung unter Zollverschluss.

Welche Brennerei bekam die erste Lizenz?

George Smith von The Glenlivet gilt als erster lizenzierter Brenner im Hochland (1824). Wooden Cork nennt Jane Macgregor von Littlemill als Empfängerin der ersten Lizenz nach dem Gesetz.

Hat das Gesetz den Schmuggel beendet?

Weitgehend ja. Laut Scotch Whisky Association starb der Schmuggel in den zehn Jahren nach 1823 größtenteils aus, und die Zahl legaler Brennereien stieg stark.

Warum heißt es manchmal Excise Act von 1824?

Das Gesetz wurde im Juli 1823 verabschiedet, entfaltete seine Wirkung aber ab 1824. Daher tauchen beide Jahreszahlen auf.

Quellen

Whisky ist eine Spirituose und ein Genussmittel. Diese Seite richtet sich ausschließlich an Erwachsene ab 18 Jahren. Bitte genieße verantwortungsvoll.

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