Kurz gesagt: Bourbon ist amerikanischer Whiskey aus einer Maische mit mindestens 51 % Mais, destilliert auf höchstens 160 proof (80 % vol), gereift in neuen, ausgekohlten Eichenfässern und abgefüllt mit mindestens 80 proof (40 % vol). Farbstoffe und Aromen sind verboten. Bourbon muss in den USA hergestellt werden – aber nicht zwingend in Kentucky.
Bourbon: ein amerikanisches Original
Bourbon ist der bekannteste Whiskeystil der USA – und einer der am klarsten definierten. Die Regeln stehen in den Standards of Identity der US-Bundesbehörde TTB, genauer in Titel 27 des Code of Federal Regulations, Paragraf 5.143. Dort ist festgelegt, was „Bourbon Whisky“ heißen darf, was „Straight“ bedeutet und welche Zusätze erlaubt sind.
Politisch unterstrichen wurde der Status 1964: Laut LegalClarity verabschiedete der US-Kongress am 4. Mai 1964 die Senate Concurrent Resolution 19, die Bourbon als „distinctive product of the United States“ bezeichnet. Das ist eine Willenserklärung des Kongresses, kein Gesetz – die Herstellungsregeln selbst stehen in den Bundesvorschriften. Wie Bourbon historisch entstanden ist, erzählt Bourbon: Geschichte eines amerikanischen Originals. Stand dieses Artikels: Oktober 2026; er ist allgemeine Information und keine Rechtsberatung.
Die Regeln im Überblick
Laut 27 CFR 5.143 und der Zusammenfassung von LegalClarity muss Bourbon folgende Bedingungen erfüllen:
| Kriterium | Vorgabe | umgerechnet |
|---|---|---|
| Getreide | mindestens 51 % Mais in der Maische | – |
| Destillation | höchstens 160 proof | 80 % vol |
| Fasseintritt | höchstens 125 proof | 62,5 % vol |
| Fass | neue, ausgekohlte Eichenfässer | – |
| Abfüllung | mindestens 80 proof | 40 % vol |
| Zusätze | keine Farbstoffe, Aromen oder Blending-Materialien | – |
| Herkunft | in den USA destilliert und gereift | – |
Die „proof“-Angaben sind die amerikanische Maßeinheit für den Alkoholgehalt: Proof geteilt durch zwei ergibt Volumenprozent. Allgemein gilt für Whisky in den USA laut 5.143, dass er unter 95 % vol destilliert und mit mindestens 40 % vol abgefüllt wird.
Die restlichen bis zu 49 Prozent der Maische bestehen meist aus Roggen, Weizen und gemälzter Gerste. Welche Rolle diese Rezeptur spielt, erklärt Mashbill.
Neue, ausgekohlte Eiche: das Herz des Stils
Die Pflicht zu neuen, ausgekohlten Eichenfässern ist der größte Unterschied zu Scotch und Irish Whiskey, die auch gebrauchte Fässer verwenden dürfen. Jedes Bourbonfass wird also nur einmal für Bourbon genutzt. Das frische, innen verkohlte Holz gibt viel Farbe und Aroma ab – Vanille, Karamell und Toastnoten sind typische Stilbeschreibungen. Wie das Auskohlen funktioniert, beschreibt Charring und Toasting.
Weil Farbstoffe verboten sind, stammt die Farbe eines Bourbons vollständig aus dem Fass. Das unterscheidet ihn von vielen anderen Whiskys, bei denen in der EU einfaches Zuckerkulör zulässig ist. Die gebrauchten Bourbonfässer wandern übrigens häufig nach Schottland, Irland oder anderswohin und prägen dort andere Whiskys – mehr dazu in unserem Artikel zum Bourbonfass.
Keine Mindestreifung – aber Straight braucht Zeit
Ein oft übersehener Punkt: Für einfachen Bourbon schreibt das US-Recht keine Mindestreifezeit vor. Laut LegalClarity genügt es, wenn die übrigen Anforderungen erfüllt sind und der Whiskey in neue, ausgekohlte Eichenfässer gefüllt wurde. Wer „Straight Bourbon“ auf das Etikett schreiben möchte, muss den Whiskey laut 27 CFR 5.143 mindestens zwei Jahre in neuen, ausgekohlten Eichenfässern lagern.
Hinzu kommt eine Kennzeichnungsregel: Laut LegalClarity muss Bourbon, der jünger als vier Jahre ist, eine Altersangabe tragen, die sich auf den jüngsten Whiskey bezieht. Ab vier Jahren ist die Angabe freiwillig. Was „Straight“ und „Bottled-in-Bond“ im Detail bedeuten, erklärt Straight Bourbon und Bottled-in-Bond.
Achtung beim Export nach Europa: Damit ein Whiskey in der EU als „Whisky“ verkauft werden darf, muss er nach der EU-Spirituosenverordnung mindestens drei Jahre im Holzfass gereift sein. Für den deutschen Markt ist also nicht nur die US-Regel relevant.
Verwandte Kategorien: von Blended Bourbon bis Tennessee
Auf amerikanischen Etiketten findest du weitere Begriffe rund um Bourbon. Laut 27 CFR 5.143 gilt unter anderem:
- „Blended Bourbon Whisky“: mindestens 51 % Straight Bourbon, der Rest darf Whisky und bis zu 49 % Neutralalkohol sein; Farbstoffe und Aromen sind erlaubt.
- „Whisky distilled from Bourbon mash“: Maische wie beim Bourbon, gereift in gebrauchten Eichenfässern.
- „Corn Whisky“: mindestens 80 % Mais, Lagerung nur nötig, wenn ein Alter angegeben wird, dann in gebrauchten oder unverkohlten neuen Eichenfässern.
Tennessee Whiskey ist laut LegalClarity im Handelsabkommen USMCA als Straight Bourbon definiert, der nur im Bundesstaat Tennessee hergestellt werden darf – also eine Unterkategorie mit geografischer Einschränkung. Mehr zur Region erfährst du in Tennessee, Beispiele findest du in unserer Kategorie Tennessee Whiskey.
Bourbon im Vergleich zu Rye und American Single Malt
Bourbon ist nur eine von mehreren amerikanischen Whiskeyklassen. Nach demselben Muster definiert 27 CFR 5.143 auch Rye, Wheat, Malt und Rye Malt Whisky: Jeweils mindestens 51 Prozent des namensgebenden Getreides, Destillation auf höchstens 160 proof, Lagerung in neuen, ausgekohlten Eichenfässern mit höchstens 125 proof beim Befüllen. Einen Unterschied gibt es bei den Zusätzen: Die Tabelle in 5.143 erlaubt Farbstoffe und Aromen für diese Klassen – ausdrücklich mit Ausnahme von Bourbon.
Neu ist die Kategorie American Single Malt Whisky, die mit einer Änderung vom Dezember 2024 in die Vorschriften aufgenommen wurde. Sie verlangt laut 5.143 100 Prozent gemälzte Gerste, Destillation in einer einzigen US-Brennerei, Lagerung in Eichenfässern mit höchstens 700 Litern ausschließlich in den USA und erlaubt als Zusatz nur Karamellfarbe, wenn sie auf dem Etikett angegeben wird. Anders als beim Bourbon sind hier auch gebrauchte Fässer zulässig.
| Klasse | Getreide | Fass | Zusätze |
|---|---|---|---|
| Bourbon | mind. 51 % Mais | neue, ausgekohlte Eiche | keine |
| Rye Whisky | mind. 51 % Roggen | neue, ausgekohlte Eiche | laut Tabelle zulässig, bei Straight nicht |
| Corn Whisky | mind. 80 % Mais | gebraucht oder unverkohlt neu | zulässig, bei Straight nicht |
| American Single Malt | 100 % Gerstenmalz | Eiche bis 700 l, neu oder gebraucht | nur deklarierte Karamellfarbe |
Die Regeln für Roggenwhiskey vertieft Rye-Regeln in den USA.
Typische Mythen
- „Bourbon muss aus Kentucky kommen.“ Falsch. Laut LegalClarity schreibt das Bundesrecht keinen Bundesstaat vor; Bourbon kann in jedem US-Bundesstaat hergestellt werden, auch wenn Kentucky den größten Teil produziert. Mehr dazu in Kentucky.
- „Bourbon muss mindestens zwei Jahre reifen.“ Das gilt nur für Straight Bourbon.
- „Bourbon ist gesüßt.“ Nein. Zusätze wie Farbstoffe und Aromen sind verboten; die Süße im Eindruck kommt aus Mais und Fass.
- „Bourbon darf überall gemacht werden.“ Nur innerhalb der USA – Bourbon ist laut 5.143 an Destillation und Reifung in den Vereinigten Staaten gebunden.
So findest du deinen Bourbon
Für den Einstieg lohnt sich ein Blick auf Abfüllungen mit unterschiedlicher Mashbill. Ein klassischer Vertreter ist der Buffalo Trace; der Maker’s Mark setzt auf Weizen statt Roggen als zweites Getreide. Unsere Kategorie Bourbon bietet weitere Auswahl. Probiere verschiedene Stile am besten nebeneinander und in kleinen Mengen – so erkennst du, wie Mashbill und Reifezeit den Eindruck prägen.
Achte auf dem Etikett auf die Begriffe „Straight“, eine Altersangabe und den Alkoholgehalt. Höhere Prozentzahlen sind dabei sachlich zu lesen: Sie verändern die Aromatik, aber du kannst mit ein paar Tropfen Wasser die Trinkstärke an deinen Geschmack anpassen. Genieße Bourbon wie jeden Whisky in Maßen; abgegeben werden darf er nur an Erwachsene ab 18 Jahren.
Passend dazu bei whiskyverbot.de
- Bourbon – Klassiker aus den USA
- Buffalo Trace – Bourbon aus Kentucky
- Maker’s Mark – Bourbon mit Weizen
- Tennessee Whiskey – Bourbon-Verwandter
Häufige Fragen
Wie viel Mais muss in Bourbon sein?
Mindestens 51 % der Maische müssen aus Mais bestehen. Den Rest bilden meist Roggen oder Weizen und gemälzte Gerste.
Muss Bourbon aus Kentucky kommen?
Nein. Bourbon muss in den USA destilliert und gereift werden, der Bundesstaat ist frei. Kentucky produziert allerdings den größten Teil.
Wie lange muss Bourbon reifen?
Für einfachen Bourbon gibt es keine Mindestdauer. Straight Bourbon braucht mindestens zwei Jahre, unter vier Jahren ist eine Altersangabe Pflicht.
Darf Bourbon gefärbt werden?
Nein. Farbstoffe, Aromen und andere Blending-Materialien sind bei Bourbon nicht erlaubt; die Farbe stammt aus dem neuen, ausgekohlten Eichenfass.
Quellen
- 27 CFR § 5.143 (Cornell LII)
- 27 CFR § 5.143 (CustomsMobile)
- LegalClarity: The Bourbon Law of 1964
- VO (EU) 2019/787, Anhang I (gesetze.legal)
Whisky ist eine Spirituose und ein Genussmittel. Diese Seite richtet sich ausschließlich an Erwachsene ab 18 Jahren. Bitte genieße verantwortungsvoll.
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